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Muscheltausch – eine tolle Campinggeschichte

Muscheltausch - eine tolle Campinggeschichte

“Jetzt ist aber mal Ruhe! Wenn man weiß dass man ne lange Strecke zu fahren hat, dann muss man halt früher aufstehen!”

Karsten schließt leise das letzte Mal die Autotüre und kommt zu mir in den Wohnwagen um mir mitzuteilen, dass wir nichts mehr aus dem Auto holen können weil der Nachbar nicht schlafen kann.

Scheiße. Meine Medikamente sind noch im Auto.. Egal.. alles egal.. 10 Stunden für 500 Kilometer… das war extrem super kacke nervig.
Aber jetzt sind wir da, haben schon an der Strandbar zu Abend gegessen und den Wind und das Meer genossen.

“Was ist so laut daran wenn Du Sachen aus dem Auto holst?” frage ich Karsten. “Das ständige Auto zu- und aufschließen hat ihn genervt.” Ich schaue Karsten mit einem etwas müden, dämlichen Blick an. Ok.. Karsten campt zum ersten Mal.  Autos muss man nicht dauernd abschließen. Und die Wohnwagentüre kann man leise schließen. Aber das lernt er noch..

Trotzdem: der Nachbar ist ein Spießer, finde ich. Er ist einfach doof, habe ich beschlossen in meinem übermüdeten Zustand, nach drei Tagen Lenkrad in der Hand.

Der nächste Morgen

Morgens begrüße ich ihn trotzdem mit einem freundlichen “Guten Morgen” und erhalte ein Brummeln zurück.. ok… vergiss es.. ich hab’s versucht. Ich biege sofort ab in Richtung Rezeption und frage erst mal, wann die Parzelle neben uns wieder frei wird. In einer Woche.  Super. Das schaffen wir locker.  In einer Woche sind wir die los…

Wir bauen über den Tag hinweg unsere Sachen auf. Viele Lichterketten, Kerzen, Decken, Tücher, Hängematte. Das Kissen mit der Frau mit nacktem Oberkörper stelle ich provokant in den Sessel der zum Nachbarn schaut. Die Nachbarn sind den ganzen Tag nicht da. Sehr gut.  Sein neuer riesiger Wohnwagen ist nicht verziert. Keine Lichterketten, es sieht alles sehr “sauber” aus. Ein paar Stühle, ein Tisch, ein orange farbenes Batiktuch… das passt gar nicht zu dem spiessigen Rest. Das haben die bestimmt geschenkt bekommen.

Den Abend verbringen wir mit Back Gammon am Strand bei Kerzenschein. Es ist herrlich. Wir können lachen so viel wir wollen. Der Nachbar hört es nicht. Karsten gewinnt dauernd. Bestimmt Zufall. Um 1:00 Uhr treffen wir eine Horde Jugendlicher, die vor dem Campingplatz rumlungern. Sie grüßen uns und lassen uns freundlich durch. Braungebrannte hübsche Jungs und Mädchen, die voll im Saft stehen und für die der Abend erst begonnen hat. Goldig! So jung waren wir auch mal..

“Hey, könnt ihr uns einem Gefallen tun und mal singend an unserer Parzelle vorbei laufen?” Sie fangen an zu lachen. “Wo denn und wen willst Du denn ärgern?” “Parzelle 4. Unseren Nachbarn, der ist ein Spiesser.” Alle lachen und wir schleichen uns zu unserem Wohnwagen zurück.

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Unser Nachbar ist ein Spießer

An nächsten Abend räume ich unsere Einkäufe aus dem Auto aus als mich eine brummelige Stimme von der Seite anspricht. “Hallo, ich glaube wir müssen mal reden”
Der spießige Herr Nachbar.

“Ah, Sie möchten sich vorstellen, das ist aber schön!” Ich strecke ihm meine Hand entgegen bevor er antworten kann. ” Ich bin die Renate Kohlhas und das ist Karsten. Karsten Dauter”
Er stellt sich vor und seine Freu kommt auch um die Ecke. Jürgen und Anke. Jürgen ist groß und hat breite Schultern. Anke hat liebe Augen und wundeschönes langes schwarzes Haar.  “Wir haben gehört wir wären Spiesser” sagt Jürgen mit gekrängten Stolz. Er stellt sich gerade hin “Wir sind schon seit Jahrzehnten hier. Unsere Kinder sind hier groß geworden. Jeder kennt uns. Was meinst Du wie sich das anfühlt wenn man erzählt bekommt, man sei ein Spiesser…”

Ich schaue ihn an und bin nicht bereit einen Zentimeter zurück zu weichen. “Was meinst Du wie sich das anfühlt wenn man sich nach 10 Stunden Fahrt und 500km anhören muss, man hätte früher los fahren sollen?” Karsten möchte die Wogen glätten und entschuldigt sich für sein lautes Verhalten. Anke unterstützt ihn, sie wäre am nächsten abend mit einer Flasche Wein vorbei gekommen, aber wir waren nicht da… ich halte dagegen.

“Das mit dem Lärm war gerechtfertigt. Aber wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!” Ich stehe mit verschränkten Armen vor Jürgen. “Was weißt Du von unserem Leben? Woher weißt Du dass wir zu spät los gefahren sind?” Jürgen schaut mich an. “Wer hat das gesagt?” “Du! ” ich recke mein Kinn nach vorne.
“Das weiß ich gar nicht mehr was ich gesagt habe. Ich war im Schlaf.. Du hättest ja mal am nächsten Morgen vorbei kommen können. Normaler Weise macht man das so unter Campern..”

“Ich habe Dich gegrüßt, Du hast mir noch nicht mal gescheit guten Morgen gesagt…” Anke lacht. “Jürgen braucht morgens seine Zeit bis er richtig wach ist”
Sie hat sehr schöne Augen, freundlich und warm. Jürgen ist ein Brummbär. Ich mag Brummbären.  Aber das sag ich ihm nicht. Noch nicht.

Nach weiteren zehn Minuten lade ich alle zu einem Bier ein und wir landen vor Anke und Jürgens Wohnwagen auf den spiessigen Stühlen, die übrigens sehr bequem sind. Es wird geraucht – Gott sei Dank bin ich nicht die einzige Raucherin. Jürgen ist selbstständig – wie ich. Wir sind ganz schnell bei den neuen Steuerregelungen und erzählen beide im Schulterschluss Anekdoten über die letzte Steuerprüfung.

Tag 3, doch keine Spießer?

Tags über sind die zwei auf ihrem Motor-Boot. Sie stehen früh auf und gehen früh ins Bett.  Anke erzählt so schön von ihren Bootstouren. Die zwei haben eine erwachsene Tochter. Die war unter den Jugendlichen, die wir nachts vor dem Campingplatz getroffen haben. Ich bin froh das sie da war.   Ich bin froh dass ich spontan den Kommentar los gelassen habe.
Sonst hätten wir nicht so zusammen gefunden.

Vielleicht spielen wir mal zusammen Karten. Ich möchte ihnen “Arschloch & President” bei bringen, das kennen sie nicht. Anke schaut mich lachend an: “Wir kennen nur “Spiessig”. Kennst Du das auch?”

Zum Schluss möchte ich noch eine Führung durch den Wohnwagen haben und ich muss sagen: was für ein echt geiles Teil! Und wie schön: es ist gar nicht so spiessig da drinnen.

Muscheltausch

Am nächsten Tag bringt mir Anke riesige Muscheln mit von ihrer Bootstour. Sie hat gesehen, dass ich alles so wunderschön dekoriert habe und dachte sich ich kann damit was anfangen. Ich freue mich sehr. Auch ich habe Muscheln am Strand gesammelt… kleine, für eine Kette. Ich gehe mit meinen Seidenfäden zu Anke und sie sucht sich den Silbernen Faden heraus. Ich mache ihr eine Kette aus weißen Muscheln und weißen Holzperlen. Sie sieht wunderschön aus darin. Und gar nicht mehr spiessig

Schade dass die zwei bald gehen.
Wir werden sie vermissen.

Copyright und mit freundlicher Genehmigung von Renate Kohlhas

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